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Gedanken

Alltagsgeschwafel, Gedanken, Liefestyle

Zwischen wollen und dürfen – im Job hin und hergerissen

19. Juli 2017

Hallo meine Lieben,

es gibt wohl oft nichts Schwierigeres als den Alltag im Büro zu überstehen. Für den einen mehr für den anderen weniger.
Und hierbei geht es ja nicht einmal darum, dass man sich mit seinen Kollegen nicht versteht. Ganz im Gegenteil!
Eher meine ich, dass das eigene Können, die Kreativität (in meinem Beruf), die Eigeninitiative oft nicht beachtet, verstanden, berücksichtigt oder gar in Frage gestellt wird. Wir alle haben einen Beruf gelernt, wir sind 3 Jahre zur Schule gegangen und haben 3 Jahre intensiv in einer Firma diesen Beruf erlernt. Oder man ist eben 3-5 Jahre in die Uni gegangen, um zu studieren. Wie möchtest du danach gesehen werden? Was ist dein Ziel und wie sind deine Erwartungen, wenn du das erste Mal so richtig fest angestellt bist? Jetzt werden die meisten sagen, sie machen ihren Job, sie erledigen ihre Arbeit so wie sie es gelernt haben, gut gelernt haben, sie erledigen ihre Arbeit mit Überzeugung und mit dem (Fach)-Wissen dahinter, wie es auch sein soll – fertig. Na wenn das so einfach wäre…
Leider ist das überwiegend nicht so in der Arbeitswelt. Wenn man denkt, allein die Ausbildungszeit ist dafür da, sich jemandem unterzuordnen und auch mal gesagt zu bekommen, das etwas falsch ist oder nicht gefällt, dann liegen wir da leider falsch. Ich möchte hier auf keinen Fall sagen, dass ich keine Kritik annehme und keine Meinungen von anderen hören möchte, je mehr desto besser!
Ist es nicht das Schlimmste, wenn man merkt in seinem Job nicht ernst genommen zu werden? Wenn man gegen Meinungen ankämpfen muss, die fachlich auch einfach strikt falsch sind. Man würde sich so gerne entfalten und machen – einfach machen. In seinem Beruf aufgehen, kreativer werden, lernen, umsetzen, andere von seiner Arbeit überzeugen und jeden Tag mit einem Lächeln zur Arbeit gehen. Gründe hierbei sind meistens, dass man in den Augen anderer noch zu wenig (Berufs)-Erfahrung hat, viel zu jung ist, um irgendwas zu verstehen. Überspitzt gesagt. Sie wollen deinen Input, den jungen und frischen Wind, neues Wissen aber lassen dich am Ende dennoch nicht frei sein und das tun was du am besten kannst. Immerhin wurdest du für diese eine Stelle eingestellt und man geht davon aus, dass die Geschäftsführung – oder wer auch immer über einem steht – Vertrauen in dich hat, dich wert schätzt und deine Arbeit, dein Können wert schätzt.
Ich möchte hier nochmal ausdrücklich sagen, dass ich sehr wohl weiß, dass es z.B. in Werbeagenturen gang und gäbe ist, seine Arbeit 10 fach über Bord zu werfen und nochmal ganz von vorne zu beginnen und das solange, bis der Kunde zufrieden ist. Kunde ist eben König, wie es so schön heißt.
In Firmen die nur intern für sich selbst arbeiten läuft das in der Regel allerdings anders ab und das sollte es auch. Bewusst habe ich mich für ein normales Unternehmen und nicht für eine Agentur entschieden. Was ist aber wenn in solch einem Unternehmen, dein Vorgesetzter zu deinem schwierigsten Kunden wird? Ein Kunde, der von dem was du tust, keine Ahnung hat. Der aber trotz dessen seine eigenen Vorstellungen hat und dir nur Dinge erzählt, von denen er offentsichtlich keinen Schimmer hat. Man dir nur Beispiele von anderen Dingen schickt und dich selbst nicht machen lässt – weil andere Sachen natürlich immer besser sind. Was macht man da und wie verhält man sich, wenn man doch so gerne sein eigenes Wissen einbringen möchte und im gelernten Beruf XY auch vieles besser weiß?

Regel Nr. 1 – lass dich nicht kleiner machen als du bist! Du hast diesen Job gelernt und auch wenn man immer wieder dazu lernt, hast du doch eine gewisse Grundbasis und ein Grundwissen, welches du immer anwenden kannst, was nie falsch sein wird und wofür du stehen kannst. Du kannst das und niemand sollte dich klein reden!

Regel Nr. 2 – mach deinen Mund auf! Du musst dir nicht immer alles gefallen lassen. „Lehrjahre sind keine Herrenjahre“ ist in meinen Augen ein genauso blöder Spruch aber auch im späteren Berufsalltag wirst du immer Personen haben, die eben über dir stehen und deine Vorgesetzten sind. Vorgesetzte sind gut, gewissen Anweisungen und Zielvorgaben sind genauso gut und wichtig aber lass dich nicht schlecht behandeln. Du musst dir das auch nicht aus Angst gefallen lassen, wenn du etwas sagst würdest du deinen Job verlieren. Denn falls das so wäre, schätzen sie dich nicht und wissen nicht wie man mit Mitarbeitern vernünftig umgeht. Das hat niemand verdient und keiner nötig! Im schlimmsten Fall würdest du mit hoher Wahrscheinlichkeit und etwas Disziplin wieder schnell einen neuen Job finden – wo es dir am Ende auch besser geht.

Regel Nr. 3 – kein Job ist für immer. Lass los von dem zwingenden Gedanken, dass du wegen gesellschaftlicher Normen mindestens 1-2 Jahre in einer Firma bleiben musst, damit es später nicht doof in deinem Lebenslauf ausschaut. Wieso denken wir so? Das ist absoluter Schwachsinn! Es liegt alles in unserer Hand. Bitte denk nicht, du seist abhängig von deinem Arbeitgeber. Er ist abhängig von dir. Natürlich muss im Falle einer Kündigung – egal von welcher Seite aus – du dir selbst eine neue Stelle suchen und er sich einen neuen Mitarbeiter aber immerhin kostet ihn die Einarbeitung in neue Arbeitskräfte Unmengen an Geld, Zeit und Geduld. Und du? Du hast einfach nur eine neue, spannende Berufserfahrung gesammelt, die dich sicherlich wieder um einiges schlauer gemacht und bereichert hat. Du hast viele tolle Menschen kennengelernt und konntest deine Menschenkenntnis erweitern.

Regel Nr. 4– kein Geld der Welt ist es wert. Ja natürlich Geld spielt eine Rolle. Wie es aber so schön heißt „Geld macht nicht glücklich, Geld beruhigt“. Absolut richtig. Denn kein Geld der Welt ist es wert, sich in einem Job zu quälen, der einen unglücklich macht. Und das sollte weder ein Grund für das Verharren noch eine Hinderung sein.

Dinge die du nicht mehr denken oder sagen solltest:
1. Ich möchte das nicht ansprechen, weil ich sonst blöd dastehe.
2. Ich darf nicht meine Meinung äußern, weil mein Arbeitszeugnis noch gut ausfallen muss.
3. Ich schlucke das Thema lieber runter, um mir Ärger zu ersparen.
4. Während der Probezeit darf ich nie krank werden oder mir Urlaub nehmen, um einen guten Eindruck zu hinterlassen.
5. Ich bin unglücklich in meinem Job, muss diesen aber mindestens 1 Jahr durchziehen, damit mein Lebenslauf gut aussieht.
6. Eigentlich ist alles doof an meinem Job aber meine Kollegen sind nett und deshalb bleibe ich.
7. Für Azubis: Jetzt habe ich schon 1 Jahr rum, bin absolut unglücklich aber die anderen 2 Jahre ziehe ich halt einfach noch durch.

 

Fazit: Es liegt wohl ziemlich nahe, dass ich diesen Artikel nicht einfach so schreibe. Nein, denn ich befand mich vor 3 Monaten noch genau in solch einer Situation. Die Kollegen sind wirklich alle super lieb und echt klasse gewesen! Der Rest leider so absolut gar nicht. Und sind wir mal ehrlich, was bringen einem super Kollegen, wenn man jeden Morgen unglücklich zur Arbeit geht? Wenn ihr euch jetzt fragt was ich gemacht habe, dann ist die Antwort ganz einfach: ich habe gekündigt. Ja und das obwohl ich dort zum dem Zeitpunkt erst 1 1/2 Monate gearbeitet habe aber das war mir egal (Punkt 3). Am Ende muss ich glücklich sein, niemand anders. Ich entscheide selbst über meine Zukunft, ich entscheide, wann ich einen neuen (beruflichen) Weg einschlage und ich alleine weiß auch nur, was richtig und falsch ist.
Nun sitze ich seit August in meiner neuen Firma und ich bin super glücklich. Es ist tatsächlich weder entspannter oder stressfreier aber das Große und Ganze ist perfekt und da nimmt man auch gerne mal den Stress auf sich!

Ihr Lieben, wenn ihr unzufrieden mit eurem Job seid, hört auf euer Herz und ihr werdet vielleicht endlich auch mal mit einem Lächeln zur Arbeit gehen, versprochen.

Eure Dilara

Alltagsgeschwafel, Gedanken

Die kleinen Dinge

12. Februar 2016

Habt ihr euch schon einmal gefragt, was eigentlich Glück ist? Oder einfach, was euch glücklich macht? Jetzt werden viele vielleicht an ihren Freund, ihre Familie, einen guten Job oder tolle Freunde denken und ja, dem stimme ich vollkommen zu. Doch das sind unsere ständigen Glücklichmacher, etwas das immer da ist und wir somit nicht ständig daran denken. Es ist bestehendes Glück. Doch ich rede von diesen kleinen Momenten, den Momenten die so selten geworden sind, dass man sich irre drüber freut, glücklich ist und sich doch eigentlich schon fast wundert wieso einen gerade das, was so simple scheint, die Glückmomente bringt. Continue Reading…

Alltagsgeschwafel, Gedanken

Von jetzt auf gleich: Erwachsen werden. Was will ich eigentlich?

5. November 2015

„Du hast noch Zeit, bist noch jung.“ Diesen Satz hörte ich oft in meinem Leben. Ich hörte ihn mit 16, dann mit 17 und mit 18. Und ich ruhte mich auf diesen paar Wörtern aus. Glaubte sie, entspannte mich. Und jetzt? Jetzt bin ich 20 und durchlebe gerade eine Zeit in meinem Leben, die mir oft schlaflose Nächte und wirre Gedanken bringt. Natürlich bin ich immer noch jung, natürlich bin ich erst 20 und habe noch vieles, wenn ich sogar alles vor mir. Aber die Zeit steht nicht still. Es wird niemand kommen, dich an die Hand nehmen und dir zeigen, wo es für dich lang geht. Das musst du selbst tun. Diesen Weg kannst nur du gehen. Und einfach so funktioniert es nicht. Man muss nachdenken, positives und negatives abwägen. Wohin möchte ich? Was sind meine Ziele? Was sollte ich vielleicht unbedingt jetzt tun, weil es in einem Jahr schon zu spät sein könnte?
Eigentlich kann ich ganz zufrieden sein. Ich habe mit 16 meinen Realschulabschluss gemacht, mit 18 hatte ich meine Fachhochschulreife in der Tasche. Und nun mit 20, bin ich schon im 2. Lehrjahr. Wenn alles klappt bin ich mit 21 ausgelernt. Es sollte also alles in Ordnung sein, ich sollte nicht denken, dass ich mit allem zu spät dran bin. Das bin ich auch nicht. Doch leider kommt gerade alles aufeinander. So viel, dass einem plötzlich zeigt „Kind du wirst erwachsen, erledige das selbst!“ und man steht da, mit einem Haufen Papiere vor sich, mit Aufgaben und Pflichten, die jahrelang die von Mama und Papa waren. Man telefoniert mit Behörden, man zahlt Rechnungen, Verträge werden geschlossen – du unterschreibst, du bist verantwortlich.
Ich habe da keine Angst vor, es gehört dazu und ich bin auch selbstständig. Doch es ist ein beängstigendes Gefühl. Je öfter ich mit diesen Dingen konfrontiert werde, desto mehr entferne ich mich von meiner Kindheit. Mit jeder neuen Aufgabe, Schritt für Schritt. Und das macht mir Angst. Denn ich merke: Ich habe keine Zeit mehr, ich bin noch jung aber werde erwachsen!
Und ich merke auch, dass man keine 2 Jahre hat, um irgendwelche Entscheidungen abzuwägen. So wie früher. Jetzt passiert alles hintereinander weg. Du musst Ziele vor Augen haben, in kürzester Zeit entscheiden, was du willst. Denn diese Entscheidungen werden größtenteils meine Zukunft beeinflussen.
Möchte ich nach meiner Ausbildung übernommen werden und Berufserfahrung sammeln oder soll ich studieren gehen. Gestaltung oder Berufsschullehramt? Beides gefällt mir sehr. Doch was bringt mich später mehr und was weniger voran? Oder sollte ich nicht auf das Geld achten sondern darauf, was mir einfach am meisten zusagt und worin ich aufgehe? Ja ihr merkt, ich bin gänzlich überfordert und weiß nicht, welche Entscheidungen die richtigen wären.
Ach und ausziehen, das würde ich auch gerne. Allerdings kann man sich als Azubi nicht sonderlich viel leisten und auch wenn ich Geld für Essen und Kleidung und Miete zusammen bekommen würde, die Wohnung muss erst einmal eingerichtet werden. Momentan schweifen mir so viele Gedanken in meinem Kopf herum, neue, wichtigere Gedanken, die zu Ende gedacht werden müssen und man nicht einfach zur Seite schieben kann. Ich fühle mich wie auf einer kleinen Reise, in der ich das Festland verlasse, in ein wackeliges kleines Boot steige und viele Wellen bewältigen muss, um sicher auf der anderen Seite anzukommen.

Aber auch die hohen Wellen, die Stürme und die Unruhen werden vorbei gehen. Viele mögen das vielleicht lieber, finden es spannender und reizend – aber ich nicht. Ich hab gern festen Boden unter meinen Füßen.

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#refugeeswelcome Part 3 – Es wird alles zu viel

14. Oktober 2015

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Ja #refugeeswelcome und wenn ihr wissen wollt, ob sich meine Meinung zum diesem Hashtag geändert hat, dann kann ich sagen Nein. Aber meine Denkweise zu einigen Unterpunkten der aktuellen Flüchtlingssituation hat sich deutlich geändert.
Der SPD-Parteivorsitzender Sigmar Gabriel hat in einem Interview der Sendung „Berlin direkt“ gegenüber seiner Interviewpartnerin und Moderatorin Bettina Schausten harte Worte gewählt. Und so viel Negatives auch über ihn berichtet wird und so unsympathisch er vielen sein mag, er hat einfach recht!
Vor einigen Monaten war die Rede von 500 Tausend Flüchtlingen, die Deutschland dieses Jahr erreichen soll, wenige Wochen später stieg diese Zahl auf 800 Tausend und mittlerweile sind wir bei weit über 1 Millionen Flüchtlingen angekommen. 1 Million! Haltet euch diese Zahl einmal vor die Augen. Und da will mir noch einer erzählen, das wir das schaffen, das wir jedem einzelnen gerecht werden können, dass Behörden Ihre Arbeit sorgfältig und zeitnah hinbekommen?
Machen wir uns nichts mehr vor, wir werden aus allen Nähten platzen und das wird schneller kommen, als erwartet. Deutschland ist an den Grenzen seiner Möglichkeiten angelangt, die Kapazitäten sind erreicht und es heißt nicht wir wollen nicht mehr sondern wir können nicht mehr.
Wie Gabriel auch im Video erwähnt, ist hier nicht mehr die Frage, ob wir es schaffen sondern wie wir es schaffen und wie man die Bedingungen der Flüchtlingsländer verbessert. Es muss in Aus- und Weiterbildung investiert und dafür gesorgt werden, dass Menschen aus diesen Ländern nicht direkt ihre Koffer packen.
Hier ist in meinen Augen auch nicht die Rede von Kriegsflüchtlingen sondern von den Wirtschaftsflüchtlingen. Es müssen bessere Lebensbedingungen geschaffen werden, um diese Menschen in ihrer Heimat zu halten. Für Deutschland muss man zusehen, dass wir Flüchtlinge besser integrieren können.

Leider hat die Politik alles in der Hand und wir können nicht viel gegen das Gesetz tun, müssen abwarten wie sich alles entwickelt und welches die kurzfristigen Lösungen sein werden.
Wir können nur hoffen, dass eine einheitliche, für alle Betroffenen, gerechte und nützliche Lösung gefunden wird, denn so wie es im Moment abläuft, kann es definitiv nicht weiter gehen.
Und das kann niemand mehr abstreiten.

Wie steht ihr zu der momentanen Flüchtlingssituation?

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Endgültig

21. September 2015

Ich gebe mir Mühe. Meine Stimme will zittern, doch ich gebe mir Mühe. Die letzten Worte bekomme ich gut ausgesprochen. Dann glitt das Handy an meinem Ohr hinunter, ich drücke auf Rot und starre in die Ferne. Blicke aus dem Fenster, das Handy noch fest in der Hand. Die Hände schwitzen, das Herz pocht und der Magen dreht sich schlagartig.
Maus, ich weiß du sagtest mir, du möchtest darüber nichts wissen und nichts mehr hören aber ich möchte, das du das weißt. Als letzte Info, lieber von mir als von jemand anderen okay?“ „Okay.
Fast 3 Monate also. 10 Wochen schon in denen du dein Leben mit einer anderen Frau teilst. Wochen, in denen du morgens aufwachst und an sie denkst. Du schreibst ihr, sie wird lächeln. Dein Herz springt, deine Gedanken nur bei mir – nicht bei mir. Und das ist okay. Ich stehe immer noch am Fenster und blicke hinaus. Zwischendurch frage ich mich, an was ich eigentlich denke. Fühle mich so leer, so hilflos und kalt.
5 Minuten später eine Nachricht von meiner Freundin „Wie geht es dir jetzt gerade?“ Ich starrte den Verlauf an an, den wir zuvor geschrieben hatten „Dilara, können wir kurz reden?“ „Klar, was ist los?“ Ich wusste sofort, was los ist.
„Gut.“ tippte ich. „Besser als erwartet.“
Lüge.

Es riss mir den Boden unter den Füßen weg. Wie ein kalter Schauer lief es mir den Rücken runter. Mir war klar, dieser Tag würde kommen. Doch ich wünschte es würde länger dauern. Nein ich wünschte, ich müsste es niemals erfahren. Wollte nichts davon wissen, nicht damit konfrontiert werden. Ich baute eine Mauer um mich, ganz hoch und pflanzte Rosen drum herum. Niemand sollte durchbrechen können, es durfte keiner schaffen. Aber machen wir uns nichts vor. Eine in Unzufriedenheit und Trauer gebaute Mauer wird nicht lange halten. Sie wird bröckeln und brechen und dann steht das wahre Leben vor dir. Du kannst dich nicht verstecken – vor allem – aber niemals vor der Realität. Sie ist da und man muss ihr ins Auge blicken.
Ein Blick auf die Uhr. 14 Uhr. Gleich kommt der Besuch. Reiß dich zusammen, denk an was Schönes. Hol dir dein Lächeln wieder. Meine Patentante schließt mich liebevoll in die Arme „Alles Liebe nachträglich zu deinem Geburtstag meine Liebe“. Ich genieße die Umarmung einer vertrauten Person, sauge ihren Duft und somit all die Kindheitserinnerungen ein und denke wie schön sorgenfrei doch alles mal war.
Es war ein toller Nachmittag. Wurde auf andere Gedanken gebracht und genoss die Gespräche.
„Heirate niemals einen Türken Dilara, tu mir den Gefallen. Du könntest ein wirklich freies Leben haben.. tu dir das nicht an“ hörte ich meine Tante sagen. Wie kamen sie darauf? Ich weiß es nicht, anscheinend war ich wieder in meiner Welt versunken. Schnell setzte ich ein gespieltes Lächeln auf und hoffte es wurde angenommen. Keine weiteren Fragen, sehr gut.
21:30 Uhr. Endlich im Bett. Ich wollte einschlafen, sofort. Meine Gedanken ausschalten, doch sie ließen mich nicht in Frieden. Zu viele Fragen und keine Antworten. Ich möchte auch keine. Es würde nichts mehr ändern aber es schmerzt. Ob ich ihn zurück möchte? Nein, das möchte ich nicht. Doch der Gedanke versetzt mir immer und immer wieder Stiche ins Herz. Eine andere Frau? Sie hält seine Hand, er hält ihre Hand?
Mein Gefühl sagt mir, es müsste schon halb 11 sein. Ich ärgere mich, morgen wieder arbeiten, früh aufstehen, du musst ausgeschlafen sein! Zwinge mich den Kopf abzuschalten – vergeblich. Ich wälze mich von einer auf die andere Seite. Sehe ihn plötzlich neben mir liegen, wie damals. Er schaut mich an. So wie er es immer getan hat. Seine braunen Augen schleichen sich in meine Seele. Seine Hand greift meine, wir verschmelzen. So viel Liebe und so wenig blieb davon über. Wenig? Nichts. Vielleicht bei mir ein wenig.
Ich schubse ihn wütend von meinem Bett. Wieso verschwindest du nicht? Es erinnert zu viel. Jede Ecke, überall hast du gestanden. Es will einfach nicht aufhören. Ich schlage vor Wut auf meine Matratze, kämpfe mit den Tränen. Denn ich habe mir geschworen- keine einzige Gott verdammte Träne mehr. Nicht für ihn.
Der innere Kampf ließ mich erschöpft einschlafen. Denn ich spürte keinen Schmerz mehr und ja, ich glaube dann ließ mein Kopf mich endlich ruhen. Endgültig.