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#refugeeswelcome Part 2 – Fakten gegen Vorurteile

14. September 2015

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Ich höre es leider noch viel zu oft – Sätze wie „Wo sollen die alle hin?!“ oder „Warum nimmt nur Deutschland Flüchtlinge auf??“ gehen mir langsam aber sicher streng an meine Nervensgrenze. Leider gibt es immer noch Menschen, die lieber hetzen, als sich wirklich mal mit dem Thema auseinanderzusetzen und das Ganze einmal ohne Vorurteile zu betrachten. Durch mein vieles Recherchieren bin ich auf ganz interessante Fakten gestoßen, die vielleicht selbst den größten Hinterwäldler auf die richtige Spur bringt. Los gehts!

#01 Ahnungslose wissen: »Wir können doch nicht die ganze Welt aufnehmen«

Richtig ist: Davon sind wir Lichtjahre entfernt.

Auf der Welt sind Ende 2014 laut UNHCR Global Trends 59,5 Millionen Menschen auf der Flucht. 86 Prozent der Flüchtlinge weltweit leben in Entwicklungsländern. Die allerwenigsten Flüchtlinge schaffen es nach Europa – weil sie in der Region bleiben wollen und auf baldige Rückkehrchancen hoffen, oder weil sie schlicht keine Möglichkeit haben, hierherzukommen. Eine Flucht hierher ist teuer und gefährlich; zudem droht sie immer zu scheitern, denn legale Wege nach Europa gibt es so gut wie nicht. Beispiel 2014: Fast 14 Millionen Menschen wurden in diesem Jahr aus ihrer Heimat vertrieben. Wie viele kamen 2014 als Asylsuchende in Europa an? 714.000 Menschen. Das wären umgerechnet gerade einmal fünf Prozent, für ganz Europa. Also bitte: Wer kann behaupten, wir stünden vor der Frage, die ganze Welt aufzunehmen?

#02 Besorgte Bürger finden: »Die vielen Flüchtlinge sind ein großes Problem«

Richtig ist: Ein Problem haben vor allem die Flüchtlinge.

Tatsächlich: Die Zahl der Asylsuchenden in Deutschland ist auf dem höchsten Stand seit Langem: 2014 waren es 170.000 Asylsuchende, für 2015 werden 800.000 erwartet. Ist das nun ein Problem? Bei dieser Frage sollte man bedenken: Ein Problem haben zuallererst die Betroffenen, die vor Konflikten wie Syrien, Afghanistan und anderen Ländern fliehen müssen, um ihr Leben zu retten. Ein Problem haben auch die Nachbarstaaten von Kriegs- und Krisengebieten – siehe Syrien -, die innerhalb wenigen Wochen Hunderttausende bzw. über eine Million aufnehmen. Auch weltweit sind die Flüchtlingszahlen gestiegen, davon bekommt Deutschland vergleichsweise wenig ab.

#03 Panikmacher wissen: »Die kommen alle nach Deutschland«

Richtig ist: Bei Weitem nicht alle können, nicht alle wollen nach Deutschland.

Hierzulande glauben viele, alle Flüchtlinge wollten unbedingt nach Deutschland. Also zunächst mal: die Länder, in denen sich weltweit die meisten Flüchtlinge aufhalten, heißen Türkei, Pakistan, Libanon, Iran, Äthiopien.

Lediglich europaweit verzeichnet die Bundesrepublik tatsächlich aktuell die meisten Asylanträge. Sieht man sich beim BAMF die Zahlen der vorangegangenen zehn Jahre an, stellt man allerdings fest, dass ein anderes Land fast durchgängig an erster Stelle stand: Frankreich. Daneben nahm auch Großbritannien, manchmal sogar Schweden mehr Asylanträge entgegen als Deutschland. Setzt man die Zahl der Asylanträge ins Verhältnis zur Einwohnerzahl, relativiert sich der Eindruck weiter: Jahrelang lag Deutschland im Mittelfeld, 2014 rückte die Bundesrepublik mit 2,5 Asylanträgen auf 1.000 Einwohner/innen auf Platz sechs vor. Schweden, Ungarn, Österreich, Malta und Dänemark liegen in dieser Rangliste vorne. Einiges spricht zudem dafür, dass die Flüchtlingszahlen einiger Länder im Süden Europas tatsächlich höher liegen als angegeben, z.B. in Griechenland, wo viele Schutzsuchende gar nicht als solche registriert werden.

#04 Ignorante Europäer denken: »Es kann doch nicht ganz Afrika kommen«

Richtig ist: Afrika ist ein riesiger, vielseitiger Kontinent. Längst nicht alle AfrikanerInnen wollen nach Europa.

Oft reden Menschen undifferenziert von „den Flüchtlingen aus Afrika“. Aber Afrika ist kein Land. Afrika ist ein Kontinent. Mit 30,3 Millionen Quadratkilometern. Mit über einer Milliarde Einwohner. Mit über 50 Staaten. Darunter sind zerrüttete Staaten wie Somalia, korrupte Diktaturen wie Äquatorialguinea, aber auch stabile Demokratien wie Botswana. Die Wirtschaft vieler afrikanischer Staaten wächst. Viele Staaten sind reich, sie haben Bodenschätze wie Erdöl, Diamanten und Kupfer. Das Problem: Profite landen oft nicht bei der Bevölkerung, sondern gehen an herrschende Eliten und ausländische Unternehmen, so z.B. beim „Landgrabbing“.

Wollen nun alle Afrikaner/innen nach Europa? Mitnichten. Tatsächlich kommen vergleichsweise wenige Flüchtlinge hierher: Laut Antragsstatistik des BAMF kamen 2014 rund 40.000 Asylsuchende aus einem afrikanischen Land nach Deutschland – das entspricht etwa 23% der Asylsuchenden. Europaweit lag ihr Anteil bei 26%. Allein ein Drittel von ihnen kam aus einem einzigen Land: Der brutalen Diktatur Eritreas.

Die weitaus meisten afrikanischen Flüchtlinge bleiben in der Region: Laut UNHCR“ leben 14 Millionen Flüchtlinge in Afrika, davon allein zehn Millionen als Vertriebene im eigenen Land.

#05 Engherzige denken: »Wir sollten uns lieber um unsere eigenen Armen kümmern.«

Richtig ist: Das Problem der Armen ist die ungleiche Verteilung des Wohlstands.

Sind Flüchtlinge arbeitslos, klagen viele über die Sozialhilfekosten, die man ja irgendwie mitbezahle. Sind sie es nicht, fürchten sie die Konkurrenz um Arbeitsplätze. Dabei ist die Angst, dass Flüchtlinge der Wohnbevölkerung die Arbeitsplätze wegnehmen, unbegründet: Forscher, die den Zusammenhang von Zuwanderung und lokaler Arbeitslosigkeit untersucht haben, fanden keine negativen Auswirkungen auf den Arbeitsmarkterfolg von Einheimischen.

Auch die Rechnung, dass die Versorgung von Flüchtlingen Arme noch ärmer mache, geht nicht auf: Kämen tatsächlich weniger Flüchtlinge, bekäme ein arbeitsloser Hartz-IV-Empfänger nicht einen Cent mehr, geringe Löhne würden deshalb nicht steigen, und Mittelständler hätten nicht weniger Angst vor dem sozialen Absturz. Hinter diesen Sorgen steht nämlich ein anderes Problem: die wachsende Ungleichheit zwischen Arm und Reich.

Im Grundgesetz heißt es in Artikel 14: „Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen.“ Geld ist genug da – würde es zum Nutzen aller Menschen in Deutschland gerechter verteilt, könnten alle angstfrei und menschenwürdig leben. Über wachsende Ungleichheit kann man sich zu Recht zu beschweren – Flüchtlinge allerdings beeinflussen diese Zustände am allerwenigsten.

#06 Geizige meinen: »So viele Flüchtlinge aufzunehmen, können wir uns nicht leisten«

Richtig ist: Menschenrechte zu beachten kostet Geld. Und das können wir uns leisten. Zudem können Flüchtlinge viel leisten – wenn man sie lässt.

Flüchtlinge zu schützen ist eine humanitäre und völkerrechtliche Verpflichtung, die keiner Kosten-Nutzen-Rechnung unterliegen darf. Die Genfer Flüchtlingskonvention, die Europäische Menschenrechtskonvention und andere Regelungen, die zum Flüchtlingsschutz verpflichten, wurden als Reaktion auf die Grausamkeiten des Nazi-Regimes und des Zweiten Weltkriegs geschaffen. Wer diese Rechte in Frage stellt, stellt die Grundlagen unseres Rechtsstaats in Frage.

Im Übrigen ist es kurzsichtig und falsch, Flüchtlinge vor allem als finanzielle Belastung zu sehen. Sicher: Manche Gewaltopfer, kranke oder traumatisierte Flüchtlinge sind langfristig auf Unterstützung angewiesen. Ihnen zu helfen, ist ein Gebot der Humanität. Viele andere sind tatkräftig, motiviert und qualifiziert, wollen lernen und arbeiten. So werden aus Hilfebedürftigen mit der Zeit Steuerzahler/innen. Mit ihnen wachsen Kinder – über deren Mangel in Deutschland oft geklagt wird – in diese Gesellschaft hinein. Die Abschreckungspolitik der vergangenen Jahre hat die Motivation und das Können von Asylsuchenden behindert: Etwa durch Arbeitsverbote, fehlenden Deutschunterricht und die Unterbringung in abgelegenen Massenunterkünften. Erst langsam setzt sich die Erkenntnis durch: Je besser Flüchtlinge Zugang haben zu Deutschkursen, Bildung, Ausbildung, und Arbeitsmarkt, desto mehr wird die Gesellschaft wirtschaftlich gewinnen.

Ich denke es ist wichtig und super interessant, sich solche Fakten durchzulesen und einfach offenherziger mit dem Thema umzugehen. Denn schließlich sind es auch nur Meschen – wie wir.

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#refugeeswelcome Part 1 – Wie kann ich helfen?

1. September 2015

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Hallo meine Lieben,

heute möchte ich mal ein ernstes Thema ansprechen. Wie der Titel schon verrät, geht es um Flüchtlinge.
Zurzeit wird wohl über nichts heißer diskutiert und berichtet. Jeder hat andere Meinungen, eine andere Denk- und Sichtweise dazu und möchte sie mit der Welt teilen. Ich sage euch ganz offen, meine Meinung dazu werde ich nicht breit treten und ich denke all das, was gerade passiert ist schlimm genug. Darüber zu schreiben und sich „aufzuregen“ macht das Ganze nicht besser.

Widmen wir uns doch lieber einer Sache, die den armen Menschen helfen kann. Wir sollten lieber handeln, als darüber zu streiten, was richtig und falsch, zu viel und zu wenig, menschlich oder unmenschlich ist.
Für mich stand schnell fest – ich möchte helfen! Man kann nicht viel tun, aber das muss auch nicht immer sein. Denn wenn Viele nur ein bisschen tun würden, hätten wir in der Masse Großes geschafft.
Doch was kann man eigentlich tun, wo kann man helfen und unter die Arme greifen?
Ich habe mich ein wenig informiert und möchte euch dazu nun einige Dinge sagen.
Für mich kam z.B. das Geld spenden nicht in Frage. Ich bin weder geizig noch hätte ich nichts über, doch ich denke was Geldspenden angeht sollte man vorsichtig und vor allem nicht zu großzügig sein. Informiert euch vorher genauestens, wo das Geld hingeht, ob es überhaupt ankommt und was damit geschehen wird. Wo wird das Geld investiert, ist es eine gute Investition? Bitte seit einfach vorsichtig damit und falls ihr es doch tun möchtet, schaut nach, ob das was die Seite euch anbietet, auch wirklich seriös erscheint. Aus der Flüchtlingssache wird nämlich leider auch ein riesen Geschäft gemacht und die Gutmütigkeit der Menschen wird oft schamlos ausgenutzt.
Ich kann euch empfehlen, euch in eurem Bundesland oder nächst größerer Stadt umzusehen. Da könnt ihr gegeben falls persönlich hingehen, euch überzeugen, dass eure Hilfe dort angenommen und gebraucht wird.

Ich habe mich der Kleiderspende gewidmet. Die meisten kommen mit nichts außer einem zerfetzten T-Shirt und kaputter Hose nach Deutschland. Eventuell tragen sie Latschen und das wars dann auch.
Ich persönlich besitze viel zu viele Klamotten, die ich schon ewig nicht mehr getragen habe und einfach nur nutzlos im Schrank rumliegen. Warum dann nicht an Menschen verschenken, die sich gebrauchen können?
Die „Deutsche Kleiderstiftung“ ist ziemlich bekannt und bietet sogar an, kostenlos Pakete zu senden, falls man nicht an die einzelnen Standorte fahren kann, um persönlich etwas abzugeben.

Es funktioniert ganz einfach:
1. Schrank aussortieren und natürlich schauen, ob die Klamotten keine Schäden haben
2. Sachen in Paket legen, möglichst große Pakete schicken (spart hohe Portokosten)
3. Das Paket darf bis zu 31,5 kg wiegen
4. kostenlosen Paketschein drucken und zur nächsten DHL oder HERMES Station bringen

Wie ihr seht, ist das mit wenig Aufwand verbunden und auch machbar für Leute, die eben arbeiten müssen und weniger Zeit haben.
Ich denke, dass man immer einen kleinen Teil zur Hilfe beisteuern kann, egal wie und vor allem – egal wo.

Habt ihr auch schon in irgendeiner Weise geholfen, was die Flüchtlinge angeht?

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Das Leben wartet nicht auf dich

21. Juli 2015

Ein Monat ist vergangen, als der letzte Beitrag online kam. Es war ein sehr sensibles Thema und nachdem ich ihn verfasst hatte, brauchte ich Zeit für mich. Nicht nur eine Woche sondern eben wirklich mal einen ganzen Monat.

Lustigerweise scheint es im Moment nicht nur mir so zu gehen. Auch Angela von the3rdvoice hat dazu einen interessanten Post verfasst.Tja, manchmal da ist eben mal Schluss und man braucht einen Cut. Habe mich teilweise Monate mit dem Gedanken rumgeschlagen, einfach mal abzuschalten.

Vor über einem Monat habe ich das auch getan. Zwar nur für 4 Tage aber es tat so verdammt gut. Ich hab nichts unversucht gelassen. WhatsApp wurde deinstalliert, Facebook und Instagram direkt hinterher. Man konnte mich also nur noch per SMS erreichen. Und wisst ihr was? Das hat mir wirklich gezeigt wer sich für einen interessiert. Und glaubt mir, ein Großteil von denen die ich Freunde nenne, haben meine kleine Auszeit nicht einmal mitbekommen. Aber das ist ein anderes Thema. So hatte ich wenigstens meine Ruhe und konnte mein Leben in vollen Zügen genießen.Es ist einfach erschreckend, wie abhängig man ist. Wie oft man auf sein Handy schaut um im nächsten Moment festzustellen, dass es gerade absolut sinnlos war auf sein Display zu starren. Seit knapp 4 Monaten habe ich wieder das Lesen angefangen. Anstatt nach Feierabend, die Bahnfahrt damit zu verbringen, wie eine Irre bei Instagram oder Facebook runterzuscrollen, schnappe ich mir mein Buch und lese. Es tut gut, es entspannt, es beruhigt und löst einen von stressigen Gedanken.

Ich möchte euch von meinem letzten Wochenende erzählen. Eine sehr gute Freundin ist zu mir gekommen. Wir haben eigentlich viel gemeinsam, außer, dass sie ein Stadtmensch ist und ich das Dorfmädchen. Gegensätziger könnten wir gar nicht wohnen. Sie mitten in der Stadt, die Straßenbahn vor der Haustür und ich Bäume und das Maisfeld vor der Nase. Der Bus fährt nur jede Stunde versteht sich.

Die Fahrt zu mir war schon ein Erlebnis für sie. Am liebsten würde ich euch ja die WhatsApp Verläufe schicken. Ich habe Tränen gelacht als Sätze kamen wie „Dilara wo bin ich hier? Wollte dich gerade anrufen aber habe kein Netz!“ oder „Hier sind einfach nur Bäume, fühle mich total unwohl..“
Habe sie versucht zu beruhigen und meinte alles wird gut, es ist eben was Neues und wenn sie öfter zu mir kommen wird, gewöhnt sie sich bestimmt daran. Angekommen bei mir, hat sie zur Entspannung erst einmal Essen bekommen.
Dann erzählte ich ihr was ich vorhatte. Ab auf die Fahrräder und ans Wasser.
Wer sich fragt, welches Wasser ich meine. Ich kann mich glücklich schätzen, an einem wundervollen großen See zu wohnen, an dem ich bedauerlicherweise viel zu selten bin. Wie schade das eigentlich wirklich ist, hat mir dieser Tag nochmal bewiesen.
Wir fuhren durch Wälder und Wiesen, an Felder und Pferden vorbei und ich sah, wie sich ihre anfängliche Enthaltsamkeit zu absoluter Lebensfreude entwickelte. Ihr Strahlen und ihre ständigen Worte, wie toll sie das fand, ließ mir fast die Tränen in die Augen steigen. Es war so unglaublich rührend und ein wunderschöner Moment, der sich so frei und so selten angefühlt hat. Ich hatte es vermisst.
Plötzlich merkte ich wieder, warum man eigentlich lebt. Nicht um in seinem Bett zu liegen, auf sein Handy zu starren oder seine Zeit am Computer zu verbringen. Nein du spürst das Leben, wenn du raus gehst! Lasst euch den Wind um die Nase wehen, atmet die Natur ein, genießt die Freiheit, die Unabhängigkeit. Glaubt mir, ihr werdet es lieben. Am Wasser angekommen, schlossen wir unsere Fahrräder an, liefen über den Sand auf einen Steg hinauf.
Wir gingen ganz ans Ende, wollten alleine sein und unsere Ruhe haben. Dann setzen wir uns hin, ließen die Beine ins Wasser fallen und genossen diesen Moment. Wir haben den Moment festgehalten, schöne Gespräche geführt und in die unendliche Weite des Sees gesehen.

Es war ein traumhaft schöner Tag und er hat mir gezeigt, dass ich mich glücklich schätzen kann auf dem Dorf aufgwachsen zu sein und die kleinen Dinge im Leben zu sehen.
Das Leben lebt sich nicht von selbst. Geh raus und stürz dich rein, du wirst es nicht bereuen.

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Über Loslassen und Freiheit

18. Juni 2015

Ich dachte immer, alles was mich am Leben hielt warst du. Doch jetzt merke ich, mich wird alles am Leben halten, außer dir.

Frei sein, loslassen und genießen.
Mein Leben genießen, das was ich habe. Glücklich über das zu sein, was ich besitze und nicht dem hinterhertrauern, das ich nicht besitze. Genau das wollte ich schon lange mal wieder.
Doch es ging nicht. Es ging wegen dir nicht. Ich konnte nicht loslassen. Du warst schon lange weg, aber trotz allem fest in meinem Herzen. Dort konnte ich dich nicht so einfach rausschmeißen. Ich weiß, ich kann dir keinen Vorwurf machen. Hätte konsequenter sein müssen, mein Ziel vor Augen halten. Was will ich eigentlich? Wollte ich hingehalten werden? Welchen Sinn und Zweck würde es haben? Garkeinen. Doch diese Erkenntnis kommt erst spät. Besser spät, als nie.

An diesem Tag ging alles in mir durch. Angesammelter Frust, all die Wut und die Trauer über das, was ich verlor, über dich und dein unmenschliches Verhalten, welches du an den Tag gelegt hast. Wieso ließ man es sich so lang gefallen.
Wie du dort saßt, zusammengekauert auf deinem Bett. Dir schien alles so gleichgültig. Hast mir nicht einmal in die Augen blicken können. Aber ein Grinsen, dieses ernidrigende Grinsen, das brachtest du zu Stande. Überfordert mit der Situation warst du. Ich war einfach da, ich konfrontierte dich – mit allem, das erste Mal. Das warst du nicht gewohnt und ich fühlte mich gut dabei, das erste Mal.
Dir war es ins Gesicht geschrieben, wie unangenehm dir diese Situation war. Und weißt du was? Ich habe es genossen. Ich habe es so genossen, dir meine Meinung sagen zu können, wohlwissend, dass es diesmal keine Ausreden gab. Die gab es einfach nicht. Kein wenn und kein aber, keine Gegenargumentation, kein Richtig oder Falsch, kein Versuch mit mir zu diskutieren. Denn es gab keinen Grund, es gab keinen Grund sich für ein falsches Verhalten zu rechtfertigen. Und ausnahmesweise hab ich es genossen und war stolz darauf, mich zu trauen dir all das zu erzählen.
Nach all dem was passiert ist, mal über dir zu stehen und zu wissen, dass du weißt es war ein Fehler. Zugeben würdest du es niemals, ich weiß. Aber es reicht mir zu wissen, dass du genau weißt einen Fehler begangen zu haben. Die Blicke reichten mir, die beschämenden Blicke auf den Boden. Das mir nicht in die Augen sehen können. Bestätigung genug für mich. Ich akzeptiere es nicht geliebt zu werden aber ich akzeptire es nicht, verarscht und verletzt zu werden.

Ich fühlte mich so frei. Habe endlich keine Angst mehr gehabt dir meine Meinung zu sagen. Sonst hatte ich es, hatte Angst so könnte ich dich verlieren. Was für ein Quatsch. Das hatte ich eh schon. Doch dann spiel nicht. Nicht mit mir, nicht mit der Person, die du einzigst geliebt hast.
Und dann spürte ich es wieder. Das Gefühl der Freiheit. In dem Moment, als ich über der Türschwelle hinweg war, ich lief das Treppenhaus runter und fühlte mich frei. Nach einem halben Jahr konnte ich endlich abschließen. Nach ganzen 6 Monaten die du mich in Ungewissheit hast leben lassen und die damit verbundenen Qualen fielen im Nu von mir ab. Mein Herz fing wieder an zu schlagen. Nicht mehr für dich sondern für mich und mein Leben. Ich spürte den Wind an mir vorbei wehen, die Lebenslust und liebte es frei zu sein. Allein zu sein.

Ich dachte, mich könnte nichts glücklicher machen, als dich an meiner Seite zu haben. Und nun weiß ich, dich an meiner Seite zu haben, hätte mich niemals lange glücklich machen können.

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Einfach mal Danke

9. Juni 2015

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Liebe findet man nicht überall, nicht gratis an jeder Ecke zum Mitnehmen. Die Liebe steckt in jedem, auch wenn man das nur selten merkt. Jeder hat sie in sich, aber nicht jedem muss man sie auf dem Silbertablett servieren. Dafür ist die Liebe viel zu wertvoll.

Wie oft sagst du Danke? Ich meine so richtig, aufrichtig und von ganzem Herzen. Ohne etwas zurück zu verlangen. Einfach ein ehrliches Danke. Für ehrliche Liebe danken, für die, wo ihr nicht drum kämpfen müsst. Um die Liebe, die einfach immer da ist und immer da war. Die Liebe von Familie und Freunden.
Wisst ihr, ich finde wir schätzen unser Leben manchmal viel zu wenig. Jetzt denkt ihr, nun kommt das typische philosophische Gebrabbel, aber nein es  ist leider wirklich so.

Wie ihr vielleicht mitbekommen habt, war ich vor 3 Wochen in Istanbul. Dort ist vieles anders. Während ich mit meinen fast 20 Jahren, schon mein Abitur in der Tasche habe und mittlerweile eine Ausbildung mache, einen richtigen Beruf erlerne, übernehmen dort viele in meinem Alter schon den Kaufmannsladen von Papa. Die Tochter hilft im Haushalt oder passt auf die jüngeren Geschwister auf. Bildung ist dort nicht hoch angesetzt. Schulpflicht gilt bis zur 5. Klasse und ein Studium können sich nur die wenigsten Familien für ihre Kinder leisten. Wegen einer Familienangelegenheit, hat meine Familie ein großes Essen ausgegeben. Dort durften alle hin kommen, die davon wussten. Eben nicht nur Familie, Bekannte oder Freunde. Als ich plötzlich sah, wie 4 kleine Jungs den Essenssaal betraten, nicht gerade gut gekleidet und mit hungrigem Blick auf die Verteilung der Tabletts warteten, wurde mir ganz mulmig im Bauch. Es tat mir weh zu sehen, wie Straßenkinder hungern mussten. Was Essen sie, wenn mal kein Essen stattfindet? Wie Überleben sie? Wie Leben sie? Ich mochte gar nicht weiter darüber nachdenken. Während ich dort saß, mein Essen in mich rein zwang,
überlegte ich zweimal, ob das Stück Fleisch mit ,,zu viel Fett dran“ wirklich in den Müll muss. Wir sind einfach viel zu undankbar. Aber kann man uns das vorhalten? Wir kennen es doch nicht anders, sind viel zu verwöhnt, um gewisse Sachen, die „kleinen“ Dinge im Leben wertzuschätzen.

Ich kenne 2 Menschen in meinem Umfeld, deren Vater und Mutter nicht mehr leben. Zu beiden habe ich keinen großen Kontakt. Allerdings war ich mit einer dieser beiden Personen in der Grundschule.
Ich werde diesen Tag nie vergessen, wie die Mutter rein kam, und ihre Tochter bat, rauszukommen.
Ich wusste sofort was passiert ist und sie wusste es auch, denke ich. Ihr Vater hatte Krebs und doch ahnte niemand, wie schnell alles zu Ende sein kann. Ob sie nach dieser Nachricht länger in der Schule gefehlt hatte, weiß ich leider nicht mehr und wie es ihr ging… das möchte ich gar nicht wissen. Wir waren alle viel zu jung, um richtig zu begreifen, was geschah. Heute ist sie eine selbstbewusste, junge Frau aber wie es ihr wirklich geht, das erzählt sie sicher niemanden. Ist sich auch irgendwie zu fremd, um mal nachzufragen.

Man kann leider nicht jedem auf dieser Welt helfen, aber man kann anfangen, sich und sein Leben zu schätzen. Nicht über alles zu meckern und nicht immer zu gierig zu sein. Seit nicht neidisch auf die neuen Nike‘s, die die Frau gegenüber in der Bahn trägt. Seit froh darüber, überhaupt Schuhe zu tragen. Meckert nicht über eure Eltern, weil sie euch keine 50€ für die Party geben. Seit froh, überhaupt Eltern zu haben.
Seit froh, diese Liebe und Geborgenheit, diesen Komfort und diese Möglichkeiten in eurem Leben zu haben.
Wer weiß wie lang es anhält. Nutzt es, liebt und schätzt es.
Sagt öfter mal danke, für all das was ihr habt. Und zwar für das, was ihr von Herzen bekommt und nicht für das, was für Geld zu bekommen ist.

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Du bist es, du warst es immer

27. Mai 2015

Es gibt Tage, da ist irgendwie alles benebelt. Die Welt, die Gedanken. Kann nicht klar denken, alles grau und trist. Man sucht das Licht, doch wird zurückgezogen. Einfach so – ohne Vorwarnung.
Und genau dann, genau zu dieser Zeit wird mir wieder klar, dass du fehlst. Du fehlst ganz schrecklich und jeden Versuch den ich starte dich zu vergessen, gebe ich auf. Mit dir war meine Welt nie grau, nie trist. Du hast sie zum Leuchten gebracht, mein Gesicht zum Strahlen, mein Herz zum Tanzen.

beitragsbild_magie

Es ist erst ein paar Tage her. Da trafen sich unsere Blicke wieder, diese Magie, dieses Kribbeln. Ich saugte deinen Geruch ein, aber nicht zu viel. Sonst tut es weh. Lehnte an deiner starken Schulter, ließ die Wärme in mir aufgehen. Ich verliebte mich aufs Neue, schon wieder. Oder hab ich nie aufgehört dich zu lieben?
Deine Lippen auf meinen, wie sehr hab ich es vermisst.
Deine Blicke sagten alles, wirklich alles. Und doch lässt du mich wieder warten. Es zerreißt mir mein Herz. Ich möchte das nicht. Kann aber auch nicht loslassen. Bin hin und hergerissen, zwischen Herz und Verstand. Ihr kennt das. Der ewige Kampf.
Bitte sag mir doch, was ich tun kann. Darf ich dich loslassen oder willst du es nicht. Willst du Zeit, willst du mich. Willst du ehrliche Liebe, Liebe die du nicht an jeder Ecke bekommst. Nichts was du kaufen kannst. Gib mir ein Zeichen, nur irgendeins.
Ich weiß, ich bin nicht perfekt. Niemand ist es. Doch mein Herz ist rein, für dich, für jeden.
Wir sind so verschieden, doch so gleich. Diese Blicke, dieses Kribbeln, dieser Kuss. Nicht von dieser Welt. Viel zu schön, um wahr zu sein.