Alltagsgeschwafel, Gedanken

Instagram macht uns alle zu Psychopathen

19. März 2015

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Ein Bericht in der Zeitung „Die Welt“ hat mich sehr zum Nachdenken gebracht und ich würde meine Gedanken dazu gern mit euch teilen. Bevor ihr anfangt meinen Beitrag zu lesen, solltet ihr euch auf jeden Fall den Artikel ansehen.
Es geht um die bekannte und wohl im Moment am liebsten genutzte App Instagram.  Und nein, ich schreibe nicht über diesen Bericht, weil dort ein Angriff auf die Bloggerwelt gestartet wird. Nein vielmehr, weil es mich menschlich sehr zum Grübeln gebracht hat.

Blaue Wände, pastellfarbenes Geschirr, Sinnspruch-Prints an den Wänden. Kaffeetassen mit Buchstaben darauf, die entweder auf die Fensterbank neben eine Blumenvase gestellt werden oder neben die Tastatur, wenn Montag ist. Die Zeit von sauteuren Duftkerzen scheint vorüber.
Das Wettrüsten im Privaten hat längst begonnen. Man ertappt sich dabei, die neue Vase so auf den Tisch zu stellen, dass der Designer-Kerzenständer im richtigen Winkel steht, um auch noch den Print an der Wand richtig aufs Bild zu bekommen.

Und man muss Einkaufstüten fotografieren. Und Sahnekuchen. Aber nur am Wochenende und nur, wenn Nike-Turnschuhe im Bild sind. Und man macht Selfies mit dem Boyfriend, während man ihn auf die Wange küsst, aber nur, wenn beide eine Sonnenbrille tragen.

Vorab, um meinen Standpunkt klarzustellen: Sie hat toll geschrieben, die Wahrheit geschrieben, vielleicht ein wenig überzogen, ein bisschen ins Lächerliche gedrängt. Dennoch gut und ich denke, genau so hat sie es geschafft, dass man über ihre Worte nachdenkt und ein wenig um die Ecke blickt. Mit mehr Menschlichkeit, das Oberflächige beseite geschoben.
Wisst ihr, oft scrolle ich durch mein Instagram. Sehe Perfektion, sehe mehr Schein als Sein. Und doch erwische ich mich viel zu oft bei dem Gedanken: Solltest du auch solche Bilder hochladen? Wirst du dadurch bekannt? Ist das wirklich DAS, was gemocht wird? Sollst du dich auf jeglichen sozialen Netzwerken anmelden, um deinen Blog bekannt zu machen? Brauche ich sogenannte „Blogger- oder Instagram Tipps?“
Am Ende dieser wirren Gedanken könnte ich mich ohrfeigen. Versteht mich nicht falsch, ich folge vielen bekannten Bloggern. Ich liebe es mir ihre perfekt dargestellten Bilder anzusehen, die tolle Haut zu bewundern, bin begeistert von soviel Perfektionismus, von dem was sie zu sein scheinen.
Aber sind wir doch mal ehrlich. Das Leben ist nicht perfekt, wir sind es nicht und ganz streng genommen mögen wir dieses Perfekte nicht einmal.
Der Grund, wieso wir dennoch diesen makellosen Instagram Accounts folgen ist ganz einfach. Wir brauchen diesen Ort, wir brauchen eine kleine perfekte Welt, in die wir eintauchen können. Da wo alles schön ist, wo alles Gold ist, das glänzt. Und das ist okay! Wir alle haben kein sorgenfreies Leben. Wir alle streiten uns mit unseren Eltern, haben Tage an denen uns zum Heulen zu Mute ist, wir zanken uns mit unseren Freunden, die Haare sitzen nicht, das Zimmer ist unordentlich, keine Motivation aufzuräumen. Nicht perfekt eben. Wozu auch? Aber warum dann nicht einen Ort haben dürfen, wo wir mal träumen können. Ich hoffe jeder weiß, dass er nicht alles haben kann, das nicht alles erkämpfbar ist und man sich so lieben sollte wie man ist uns sein Leben nehmen sollte, wie es kommt.
Keiner möchte auf Bildern die Dreckwäsche neben dir liegen sehen. Du weißt selbst, das sie sich außerhalb des Bildes befindet. Jeder weiß, dass du deinen dreckigen Spiegel putzt, bevor du ein Bild von dir schießt. Und alle wissen auch, du schiebst deinen Teller und dein Besteck zurecht, bevor du dein Essen postest.

Und das Schöne ist, dein richtiges Leben, dieses Unperfekte und Echte, das kennst nur Du. Es gehört dir, du hast es für dich allein und weißt, dass du nicht perfekt bist. Aber wenn du diesen kleinen perfekten Moment mal brauchst, ist es nur ein kurzer Klick und du bist in dieser Welt. Wird es dir zu viel, kannst du wieder gehen. Du darfst auch mal flüchten, ja es darf mal abgehoben, darf mal oberflächlich sein. Doch vergiss eines nicht. Zurück zu dir finden. Zu der Realität.

Und irgendwann, ja da wirst du merken, das Wahre, dieses Perfekte, das steckt auch nur im wahren Leben. In dir, bei dir und vor dir.
So ist das eben, und so soll es sein. Findest du nicht auch ?

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9 Comments

  • Reply Ines - twashion.com 12. April 2015 at 9:32

    Dieser Artikel ist so wahr. Ich liebe Instagram und die ganze Modebloggerszene, aber mittlerweile weiß ich einfach, wie ich das ganze wahrzunehmen habe. Habe mich vor kurzem auf meinem Blog auch mal in diese Richtung ausgelassen.

    Ines | twashion.com

  • Reply Miss S. 25. März 2015 at 16:50

    was soll ich sagen…
    ich bin absolut deiner Meinung, ABER ich finde, dass Instagram uns tatsächlich zu kleinen Psychopaten macht, da wird manchmal wirklich nicht mehr unterscheiden können was jetzt richtig und was falsch ist. Der gesunde Menschenverstand, wie man so schön sagt, wird oft, völlig benebelt durch Models mit perfekten Körpern und durch Essboxen mit Reis, Gemüse und Poulet (was, ganz ehrlich gesagt, ohne Sauce einfach nicht gut schmeckt), durch aufgeräumte Wohnzimmer ohne Staub und wunderschöne Smoothie-Gläser (die bei mir nie so schön aussehen, auch wenn ich es wollen würde).
    Ich gebe ehrlich zu… ich war am Rande des Wahnsinns angelangt. Ich wusste irgendwann nicht mehr was richtig war und was falsch. Es hat Abende gegeben, an denen ich heulend auf dem Sofa sass und mich selbst hässlich fand (obwohl ich zufrieden bin mit meinem Körper) aber durch die Modelfotos, hab ich den Bezug zur Realität verloren. Ich fand meine Wohnung und Einrichtung hässlich und wollte alles verändern und neues kaufen, obwohl das mein Geschmack ist und mir eigentlich gefällt. Das Internet, die “Inspirationen” die wir uns täglich aus dem Netz saugen sind nicht so harmlos wie es immer aussieht.
    Gesunder Menschenverstand, klar, ich dachte auch immer ich hab den. Bis ich mich heulend auf dem Sofa wieder gefunden habe. Man sollte/darf das Thema nicht verschönigen, nicht jede Menschenseele kann damit umgehen und sich bewusst sein was Schein und was Realität ist…
    & nein, ich bin kein psychisches Wrack, im Gegenteil 🙂 Ich möchte nur darstellen, was Instagram mit einer selbstbewussten, jungen Frau wie mir gemacht hat.
    Ich habe Instagram nun gelöscht und seither fühle ich mich grandios, es geht mir viel besser 🙂

    Super toller Text, ich liebe deinen Blog und werde jetzt immer wieder bei dir vorbei schauen! Grossen Respekt!

    Liebe Grüsse
    Frau S.

    • Reply Feenstaub 25. März 2015 at 16:57

      Wie schön was du mir geschrieben hast! Ganz großen Respekt, dass du das so offen und ehrlich sagst, was Instagram aus dir gemacht hat.
      Wie du schon sagst, ich denke da kann jeder anders mit umgehen. Den einen interessiert das alles nicht die Bohne, wo es andere wiederum total aus der Bahn wirft und sie an ihrem Ich zweifeln lassen.
      Am Ende muss eben jeder für sich selbst entscheiden was gut und nicht gut ist.
      Finde deine Einstellung wirklich toll. Danke für deinen Kommentar und deine lieben Worte! Liebste Grüße an dich

  • Reply MissK 23. März 2015 at 19:50

    Ich habe den Artikel auch gelesen. Allerdings finde ich, dass das Thema Instagram in letzter Zeit etwas aufgebauscht wird. Auf Pinterest ist es doch nicht anders – was man da für Wohnungen/Kleiderschränke etc. sieht. Das ist auch alles weit weg von der Realität. Ich finde es schwer mir vorzustellen, dass Menschen wirklich glauben, dass das auf den Fotos wirklich alles komplett echt ist. Gesunder Menschenverstand sollte einem doch sagen, dass JEDER mal einen schlechten Tag hat. Auch wenn die Blumenvase auf dem weißen Tisch neben den Macarons gerade wunderschön aussieht. Die Person ist vielleicht trotzdem gerade durch eine Klausur durchgefallen oder sonst was. Das sind doch völlig unterschiedliche Themen. Wie du schon sagst, man guckt sich die Bilder in der App an, weil man schöne Fotos sehen möchte. Nicht mehr und nicht weniger. Ich find die Diskussion um Instagram läuft aus dem Ruder. Und zu Psychopaten macht die App uns sicher nicht.

    • Reply Feenstaub 23. März 2015 at 19:53

      Bin da ganz deiner Meinung 🙂

  • Reply saskiavonp 22. März 2015 at 8:41

    Dein Beitrag zu dem Artikel ist echt super gut! Sehr schön geschrieben.

    • Reply Feenstaub 22. März 2015 at 22:07

      Ich danke dir, freut mich sehr zu hören 🙂

  • Reply nadjaknauthe 20. März 2015 at 13:50

    Wunderschön geschrieben liebe dilara 🙂 ich habe den artikel vorher auch gelesen und war echt etwas schockiert…warum ist es denn so falsch bei instagram o.ä. zu sein? du hast es absolut auf den Punkt gebracht, ich brauche diese Abwechslung, diese kleine schöne perfekte Welt um auch mal abzuschalten..danke für deine Worte

    Liebste Grüße
    Nadja von https://liebestanz.wordpress.com/

    • Reply Feenstaub 20. März 2015 at 14:00

      Dankeschön Nadja! Das freut mich sehr zu hören 🙂 Ganz liebe Grüße und dir ein schönes Wochenende!

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