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Endgültig

21. September 2015

Ich gebe mir Mühe. Meine Stimme will zittern, doch ich gebe mir Mühe. Die letzten Worte bekomme ich gut ausgesprochen. Dann glitt das Handy an meinem Ohr hinunter, ich drücke auf Rot und starre in die Ferne. Blicke aus dem Fenster, das Handy noch fest in der Hand. Die Hände schwitzen, das Herz pocht und der Magen dreht sich schlagartig.
Maus, ich weiß du sagtest mir, du möchtest darüber nichts wissen und nichts mehr hören aber ich möchte, das du das weißt. Als letzte Info, lieber von mir als von jemand anderen okay?“ „Okay.
Fast 3 Monate also. 10 Wochen schon in denen du dein Leben mit einer anderen Frau teilst. Wochen, in denen du morgens aufwachst und an sie denkst. Du schreibst ihr, sie wird lächeln. Dein Herz springt, deine Gedanken nur bei mir – nicht bei mir. Und das ist okay. Ich stehe immer noch am Fenster und blicke hinaus. Zwischendurch frage ich mich, an was ich eigentlich denke. Fühle mich so leer, so hilflos und kalt.
5 Minuten später eine Nachricht von meiner Freundin „Wie geht es dir jetzt gerade?“ Ich starrte den Verlauf an an, den wir zuvor geschrieben hatten „Dilara, können wir kurz reden?“ „Klar, was ist los?“ Ich wusste sofort, was los ist.
„Gut.“ tippte ich. „Besser als erwartet.“
Lüge.

Es riss mir den Boden unter den Füßen weg. Wie ein kalter Schauer lief es mir den Rücken runter. Mir war klar, dieser Tag würde kommen. Doch ich wünschte es würde länger dauern. Nein ich wünschte, ich müsste es niemals erfahren. Wollte nichts davon wissen, nicht damit konfrontiert werden. Ich baute eine Mauer um mich, ganz hoch und pflanzte Rosen drum herum. Niemand sollte durchbrechen können, es durfte keiner schaffen. Aber machen wir uns nichts vor. Eine in Unzufriedenheit und Trauer gebaute Mauer wird nicht lange halten. Sie wird bröckeln und brechen und dann steht das wahre Leben vor dir. Du kannst dich nicht verstecken – vor allem – aber niemals vor der Realität. Sie ist da und man muss ihr ins Auge blicken.
Ein Blick auf die Uhr. 14 Uhr. Gleich kommt der Besuch. Reiß dich zusammen, denk an was Schönes. Hol dir dein Lächeln wieder. Meine Patentante schließt mich liebevoll in die Arme „Alles Liebe nachträglich zu deinem Geburtstag meine Liebe“. Ich genieße die Umarmung einer vertrauten Person, sauge ihren Duft und somit all die Kindheitserinnerungen ein und denke wie schön sorgenfrei doch alles mal war.
Es war ein toller Nachmittag. Wurde auf andere Gedanken gebracht und genoss die Gespräche.
„Heirate niemals einen Türken Dilara, tu mir den Gefallen. Du könntest ein wirklich freies Leben haben.. tu dir das nicht an“ hörte ich meine Tante sagen. Wie kamen sie darauf? Ich weiß es nicht, anscheinend war ich wieder in meiner Welt versunken. Schnell setzte ich ein gespieltes Lächeln auf und hoffte es wurde angenommen. Keine weiteren Fragen, sehr gut.
21:30 Uhr. Endlich im Bett. Ich wollte einschlafen, sofort. Meine Gedanken ausschalten, doch sie ließen mich nicht in Frieden. Zu viele Fragen und keine Antworten. Ich möchte auch keine. Es würde nichts mehr ändern aber es schmerzt. Ob ich ihn zurück möchte? Nein, das möchte ich nicht. Doch der Gedanke versetzt mir immer und immer wieder Stiche ins Herz. Eine andere Frau? Sie hält seine Hand, er hält ihre Hand?
Mein Gefühl sagt mir, es müsste schon halb 11 sein. Ich ärgere mich, morgen wieder arbeiten, früh aufstehen, du musst ausgeschlafen sein! Zwinge mich den Kopf abzuschalten – vergeblich. Ich wälze mich von einer auf die andere Seite. Sehe ihn plötzlich neben mir liegen, wie damals. Er schaut mich an. So wie er es immer getan hat. Seine braunen Augen schleichen sich in meine Seele. Seine Hand greift meine, wir verschmelzen. So viel Liebe und so wenig blieb davon über. Wenig? Nichts. Vielleicht bei mir ein wenig.
Ich schubse ihn wütend von meinem Bett. Wieso verschwindest du nicht? Es erinnert zu viel. Jede Ecke, überall hast du gestanden. Es will einfach nicht aufhören. Ich schlage vor Wut auf meine Matratze, kämpfe mit den Tränen. Denn ich habe mir geschworen- keine einzige Gott verdammte Träne mehr. Nicht für ihn.
Der innere Kampf ließ mich erschöpft einschlafen. Denn ich spürte keinen Schmerz mehr und ja, ich glaube dann ließ mein Kopf mich endlich ruhen. Endgültig.

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8 Comments

  • Reply That Lucky Kat 19. Oktober 2015 at 3:16

    Ich bin gerade durch Zufall auf deinem Blog gelandet und auch wenn bereits 1 Monat vergangen ist, seit du dies geschrieben hast, so hoffe ich dennoch, dass es dir mittlerweile wieder etwas besser geht. Auch wenn wir uns nicht kennen und ich nur diese Zeilen von dir gelesen habe, so kann ich dich doch sehr gut verstehen. Ich habe mich in deinen Zeilen wieder gefunden und möchte dir dafür danken. Mir selbst ist ähnliches widerfahren, doch habe ich auch nach einem halben Jahr noch nicht die Worte gefunden, um meine Gefühle auszudrücken. Ich danke dir also und wünsche Dir alles Gute!!

    Liebe Grüße
    Kate von http://www.dasgluexkind.de

    • Reply Feenstaub 19. Oktober 2015 at 13:32

      Oh vielen lieben Dank für deine Worte Kate! Das hat mich sehr gefreut und ich kann mit Stolz verkünden: Ja es geht mir wieder gut! Ich hoffe, dass es bei dir genauso ist.

      Ganz liebe Grüße an dich <3

  • Reply Julia 25. September 2015 at 11:34

    Ich hoffe dir geht es gut, ich denke,jeder der geliebt hat, weiß, wie es dir geht!
    Ich hoffe, das Schreiben hat dir etwas geholfen!
    Jedenfalls liest es sich so, als wärst du jetzt etwas befreiter!
    Liebe Grüße
    http://www.champagne-attitude.com

    • Reply Feenstaub 28. September 2015 at 14:49

      Danke dir liebe Julia <3

  • Reply Things I Love (@Thingsilove_de) 22. September 2015 at 15:18

    Ich kenne dich nicht Dilara, aber fühl dich gedrückt. Ein schöner, aber trauriger Artikel

    Liebste Grüße

    Nesli | http://www.things-ilove.de

    • Reply Feenstaub 22. September 2015 at 15:52

      Danke dir liebe Nesli !! <3

  • Reply rae tashman (@lovefromberlin) 22. September 2015 at 10:41

    (I speak German as a second language but my writing is not so good which is why I am writing in english) This was such a moving post. Heartbreak and betrayal are so difficult to deal with. I have only experienced heartbreak but I cannot imagine what it would feel like to be in your position. At least you have writing as an outlet and you do so very beautifully.

    Rae | Love from Berlin

    • Reply Feenstaub 22. September 2015 at 15:51

      Thank you so much Rae! It’s not easy to deal with it but I do my very best.. life goes on 🙂

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