Alltagsgeschwafel, Gedanken

Von jetzt auf gleich: Erwachsen werden. Was will ich eigentlich?

5. November 2015

„Du hast noch Zeit, bist noch jung.“ Diesen Satz hörte ich oft in meinem Leben. Ich hörte ihn mit 16, dann mit 17 und mit 18. Und ich ruhte mich auf diesen paar Wörtern aus. Glaubte sie, entspannte mich. Und jetzt? Jetzt bin ich 20 und durchlebe gerade eine Zeit in meinem Leben, die mir oft schlaflose Nächte und wirre Gedanken bringt. Natürlich bin ich immer noch jung, natürlich bin ich erst 20 und habe noch vieles, wenn ich sogar alles vor mir. Aber die Zeit steht nicht still. Es wird niemand kommen, dich an die Hand nehmen und dir zeigen, wo es für dich lang geht. Das musst du selbst tun. Diesen Weg kannst nur du gehen. Und einfach so funktioniert es nicht. Man muss nachdenken, positives und negatives abwägen. Wohin möchte ich? Was sind meine Ziele? Was sollte ich vielleicht unbedingt jetzt tun, weil es in einem Jahr schon zu spät sein könnte?
Eigentlich kann ich ganz zufrieden sein. Ich habe mit 16 meinen Realschulabschluss gemacht, mit 18 hatte ich meine Fachhochschulreife in der Tasche. Und nun mit 20, bin ich schon im 2. Lehrjahr. Wenn alles klappt bin ich mit 21 ausgelernt. Es sollte also alles in Ordnung sein, ich sollte nicht denken, dass ich mit allem zu spät dran bin. Das bin ich auch nicht. Doch leider kommt gerade alles aufeinander. So viel, dass einem plötzlich zeigt „Kind du wirst erwachsen, erledige das selbst!“ und man steht da, mit einem Haufen Papiere vor sich, mit Aufgaben und Pflichten, die jahrelang die von Mama und Papa waren. Man telefoniert mit Behörden, man zahlt Rechnungen, Verträge werden geschlossen – du unterschreibst, du bist verantwortlich.
Ich habe da keine Angst vor, es gehört dazu und ich bin auch selbstständig. Doch es ist ein beängstigendes Gefühl. Je öfter ich mit diesen Dingen konfrontiert werde, desto mehr entferne ich mich von meiner Kindheit. Mit jeder neuen Aufgabe, Schritt für Schritt. Und das macht mir Angst. Denn ich merke: Ich habe keine Zeit mehr, ich bin noch jung aber werde erwachsen!
Und ich merke auch, dass man keine 2 Jahre hat, um irgendwelche Entscheidungen abzuwägen. So wie früher. Jetzt passiert alles hintereinander weg. Du musst Ziele vor Augen haben, in kürzester Zeit entscheiden, was du willst. Denn diese Entscheidungen werden größtenteils meine Zukunft beeinflussen.
Möchte ich nach meiner Ausbildung übernommen werden und Berufserfahrung sammeln oder soll ich studieren gehen. Gestaltung oder Berufsschullehramt? Beides gefällt mir sehr. Doch was bringt mich später mehr und was weniger voran? Oder sollte ich nicht auf das Geld achten sondern darauf, was mir einfach am meisten zusagt und worin ich aufgehe? Ja ihr merkt, ich bin gänzlich überfordert und weiß nicht, welche Entscheidungen die richtigen wären.
Ach und ausziehen, das würde ich auch gerne. Allerdings kann man sich als Azubi nicht sonderlich viel leisten und auch wenn ich Geld für Essen und Kleidung und Miete zusammen bekommen würde, die Wohnung muss erst einmal eingerichtet werden. Momentan schweifen mir so viele Gedanken in meinem Kopf herum, neue, wichtigere Gedanken, die zu Ende gedacht werden müssen und man nicht einfach zur Seite schieben kann. Ich fühle mich wie auf einer kleinen Reise, in der ich das Festland verlasse, in ein wackeliges kleines Boot steige und viele Wellen bewältigen muss, um sicher auf der anderen Seite anzukommen.

Aber auch die hohen Wellen, die Stürme und die Unruhen werden vorbei gehen. Viele mögen das vielleicht lieber, finden es spannender und reizend – aber ich nicht. Ich hab gern festen Boden unter meinen Füßen.

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3 Comments

  • Reply Jessivities 26. November 2015 at 15:54

    Ich kann deine Gedanken total nachvollziehen. Ich bin jetzt 23 habe meine Ausbildung bereits hinter mir und Berufserfahrung gesammelt. Ich bin mir mittlerweile sicher, dass ich nicht in dem Beruf bleiben will, aber was ist die Alternative? Was macht mich wirklich glücklich und woher soll ich überhaupt wissen was mir gefällt? Bin ich zu alt um ein Studium zu beginnen? Wie bezahle ich dann meine Wohnung? Fragen über Fragen, die sich aber wahrscheinlich jeder in dem Alter bzw. in dieser Phase stellt, aber wir werden es sicher irgendwie meistern:)

    Liebe Grüße
    Jessi von http://jessivities.de/

  • Reply Christin 11. November 2015 at 21:59

    Ach ich hasse dieses Gefühl und bei mir kommt es auch immer wieder und immer viel zu häufig auf. Dieser Gedanke „du wirst nie wieder das machen können“ also alleine so Sachen wie in das Elternhaus meiner Mutter gehen – denn es gehört jetzt jemand anderen – diese Endlichkeit immer wieder zu begreifen, kann ganz schön hart sein genauso wie diese Ungewissheit, die vor einem liegt. Das alles was zum WErwachsenenleben“ dazu gehört, überfordert mich vermutlich genauso wie alle anderen, diese Bürokratie, auf die wir in der Schule nicht vorbereitet wurden und so weiter….Das einzige was mich immer wieder nach oben zieht, ist der Gedanke, dass es viele andere tausend Menschen vor mir auch hingekriegt haben, dass alles schon irgendwie läuft und sich einrenken wird und dann nehme ich ein schönes, geliebtes Buch aus meiner Kindheit und entfliehe ein wenig in die stillgestandene Zeit….Vielleicht hift dir das auch?
    Liebst Christin
    von Glasschuh.com
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  • Reply schokokamel 5. November 2015 at 18:18

    Ich glaube, das wird sich auch so schnell nicht mehr ändern, das Gefühl. Mit 20 dachte ich, in 5 Jahren weiß ich wie der Hase läuft. Und am Montag werde ich 24 und denke immer noch, dass ich eigentlich von nichts einen Plan habe. Aber das muss man ja auch gar nicht – ich habe einfach das studiert, wovon ich dachte, es könnte mir gefallen und weiß irgendwie immer noch nicht, was ich danach machen will. Aber hey, ich habe ja auch noch ein ganzes Leben Zeit, dahinter zu kommen. Ich wünsch dir viel Erfolg 🙂

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